Wahre Liebe

Er war auf der Suche nach der großen Liebe, & er wußte nicht, wie er finden sollte.
Das Ziel schien eine Ewigkeit entfernt. Zu weit, um dorthin zu gelangen.
Aber da war etwas! Unverkennbar, doch woher?
Es wurde stiller, doch sie war nicht zu sehen. Aber etwas war da!
Er begann zu lauschen, tief in die Stille hinein.

Hast du schonmal ernsthaft daran gedacht, dich zu verlieben?
Hast du jemals die Größe besessen, dein Herz zu verschenken?
Einfach so, ohne etwas dafür zu verlangen? Man sagt, Liebe funktioniert so.
Liebe sei der Vorgang, sich selbst aufzugeben, bedingungslos, um etwas noch größeres zu gebären.
Wie war das, als du verliebt warst? Hast du dabei an dich selbst gedacht?
Hast du dich dabei selbst vergessen?
Oder funktioniert es nicht, wenn von dir selbst nichts mehr übrig ist? Was ist echte Liebe? Kann man überhaupt darüber sprechen? Oder ist es fernab jeder Artikulation?
Wie ist das?

Wieso ist jeder so versessen darauf, diese berühmten drei Worte zu hören?
Sind sie die Erklärung von allem?
Oder sind sie der banale Versuch, die Farben eines Sonnenaufgangs samt seiner Einzigartigkeit mit einem `Guten Morgen` mitteilen zu wollen?

Was ist Liebe jenseits des Wortes, das dafür steht? Weißt du, was Liebe ist?
Hast du schonmal geliebt? Bist du verliebt? Wieso nicht?
Die Stille begann lauter zu werden.

Du willst dich vergessen, um zu lieben – aber bist du dir im Klaren darüber, was es zu vergessen gibt?
Wie sieht es aus, dein Geschenk?
Wird es für dein geliebtes Wesen ein Geschenk sein oder ein Fluch?
Was wird geschehen?

Wohin willst du deine Liebe geben?
Hast du ein Recht darauf, eine Auswahl zu treffen?
Ist der Liebesakt etwas Individuelles? Oder geht es immer um dasselbe? Was liebst du? Was wirst du
tun, wenn es dir versagt wird, zu lieben? Wirst du töten?
Ist deine Liebe echt?
Gibt es eine Entscheidung?

Er begann sich zu verlieren in jener Stille, die zu einem Dröhnen angewachsen war,
Er, der Mensch.

Ist wahre Liebe tiefstes Bewußtsein oder höchste Unbewußtheit?
Weißt du, wann du liebst?
Hast du es je erlebt?
Kannst du darüber sprechen?
Wieso sagst du denn: Ich liebe dich?
Wieso sprichst du darüber? Weißt du, wovon du sprichst?
Ein Traum, nichts weiter.
Was wirst du tun, wenn die Stille zu schreien beginnt?

Er öffnete die Augen. Irgendetwas stimmte nicht.
Die Stimme der Stille stimmte nicht.
Eros hatte zu sprechen begonnen – & das war unmöglich.

Du willst dich hergeben für mich?
Nun gut, aber was hast du zu geben?
Reinheit? Nichts anderes bin ich!
Das Was interessiert mich nicht, ich bin das Wie & ich bin ein Dämon deshalb!
Bist du Ich? Bin ich Du?

Mich gibt es nicht -doch du glaubst, Ich zu sein, zu werden?
Ich werde dich töten, so werde Ich Du sein!
Du bist nichts anderes, aber mich gab es nie!
Was glaubtest du zu sehen im geliebten Wesen? Ich war das, kein anderer als Du!
Kannst du mich ertragen, der Ich Du bin?
Wirst du es ertragen können, dir selbst zu begegnen? Kannst du dich selbst lieben?
Wie wahrhaftig bist du? Vertraust du mir?

Langsam & stetig wurde ihm unheimlich.
Es war eine stetig anwachsende Erschütterung, fernab jeden Friedens.
Mit Recht nennst du dich Eros, doch ich bin Ishtar, Göttin des Krieges!

Berechtigt ist unsere Lust nach Göttlichkeit, doch wir gebären den Krieg!
Wo fangen wir an?
Mein Herz ist das deine, denn mich gibt es nicht!
Meine Macht ist unendlich wie meine Liebe zu mir, die ich nicht bin!
Du glaubtest mich gefunden zu haben -doch wo?
Du selbst bist es gewesen & was glaubtest du zu finden?
Ich kann nicht fortgehen, denn du bist überall!
Was soll ich tun?
Du wirst mich töten müssen, um zu leben, aber Ich bin Du!
Was wirst du tun? Liebst du, was du siehst? Ist dein Herz groß genug, uns leben zu lassen?
Töte mich, oder ich werde dich töten.
Stirb um zu leben oder du wirst sterben ohne zu leben!
Töte mich, und du wirst leben, denn Ich bin Du! Töte mich!

Doch er brachte es nicht über sein Herz, so tat sich die Stille vor ihm auf.
Es war jene Tiefe in der Stille, die ihm eine Entscheidung abverlangte.
Sein Leben hing davon ab. Sein Leben versank darin.
Schließlich tat er, was er tun mußte, Er, der Mensch.
Nun stirb & lebe, Du, die es nie gab!
Denn ich bin du & ich bin überall & du das Relikt meiner Liebe, die ewig ist & ein Traum!
Es gibt keinen Unterschied!
Ich verlor mich für dich & ich fand mich in dir!
Also stirb, damit ich leben kann!

Dann versank er in eine vollkommene Ruhe, & als er daraufhin heraufzusteigen begann, war es geschehen.

Vollkommene Liebe war geboren; vollkommen in jedem Augenblick,
& alles andere war verschwunden im Leib von Ihr.

Und zum erstenmal in diesem jungen Leben fehlten die Worte.